PREDIGT ZUM FEST VON ALLERHEILIGEN (QUATUOR CORONATI) in 2015

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Predigten

Im Namen des ↑ Vaters und des ↓ Sohnes und
des ↗ Heiligen Geistes. ↖ Amen.

Das Fest von Allerheiligen ist eins der schönsten Feste
des Jahres. Viele Menschen werden das nicht so sehen.
Aber das liegt daran, dass die römische Kirche die zwei
ganz unterschiedlichen Feste von Allerheiligen und Allerseelen
mit einander vermischt hat. Die Ursache dafür ist
die Abschaffung von Allerseelen als eigenständigen offiziellen
Feiertag. Seitdem findet die Gräbersegnung –
welche eigentlich mit dem Fest von Allerseelen verbunden
ist – schon m Vortag statt, wodurch die wirkliche
Bedeutung vom Fest der Allerheiligen verloren gegangen
ist.

Allerheiligen ist aber nicht nur ein Tag, wo wir alle Heiligen,
die keinen eigenen Gedenktag bekommen haben,
in den Mittepunkt stellen.
Klar war das ursprünglich mit einem Grund diesen Feiertag
einzurichten. Für uns, die wir als Liberalkatholische
Kirche nur wenige «offiziellen» Heiligen auf unseren Kalender
stehen haben, wurde es aber keinen Grund geben,
deshalb einen besonderen Tag zu feiern.

Nein, für uns, die wir uns nicht an einem inflatorischen
Prozess von Heiligsprechungen beteiligen, (wo jede Heiligsprechung
übrigens bis zu 150.000 Euro kostet), hat
dieser Tag eine ganz andere Stellung. Wir gedenken an
diesem Tag eher unserer «persönlichen» Heiligen.

Am Anfang der christlichen Geschichte gab es noch kein
Konsistorium, das Heiligsprechungen durchführte. Es
gab nur ganz wenige Personen, die von Anfang an überall
in der christlichen Kirche als «heilig» galten; und das
waren vorwiegen die Apostel und Vorfahren Jesu. Später
kamen dann auch noch die Propheten dazu.

Ansonsten gab es in jeder christlichen Gemeinde Personen,
wovon man oft schon zur Lebzeiten gesagt hat,
dass diese eine Heilige Frau oder einen Heiligen Mann
war. Das zeigten diese Personen in ihrem vorbildlichen
Lebenswandel. Vorbildlich nicht nur in herkömmlichen
Sinne, sondern auch, indem man sie als Vorbild sah; als
Personen, deren Lebenshaltung und -wandel man nacheifern
möchte, genau wie diese wieder Christus als Vorbild
für ihr Leben nahmen.

Nun, was feiern wir bei diesen Personen, die wir als heilig
ansehen? Wir feiern ihren Geburtstag! Aber nicht, so
wie wir das bei normalen Menschen tun, sondern wir
feiern deren Geburtstag in einem höheren Leben. Das,
was wir meistens als Todestag bezeichnen! Und wir tun
dies um uns an ihrem edlen Vorbild zu erinnern.
So wird jeder in seinem oder ihrem Leben Großeltern,
Tanten, Freunde, Nachbarn oder Bekannte (gekannt)
haben, die für sie oder ihn einem aufrichtigen Beispiel
guten und heiligem Lebenswandel waren. Ja. für uns waren
diese Personen heilig! Und es sind eben auch diese
Personen, – wovon man früher bei ihrem Tod oft überzeugt
war, dass diese sofort in den Himmel aufgenommen
wurden – die wir vor Augen haben, wenn wir Allerheiligen
feiern.

Verstehen Sie das nicht falsch! Ein Heiliger war kein fehlerloser
Mensch. Denn wenn er das gewesen wäre, wieso
sollte er dann überhaupt noch einmal in diesem Leben
auf Erde inkarniert gewesen sein?
Auch Jesus war in Seinem Leben als Mensch nicht ganz
fehlerfrei. Denken wir zum Beispiel mal daran, dass Er
Seinen Eltern ungehorsam war und einfach den Heimweg
verpasste oder wie wütend Er reagierte, auf den
Geldwechslern im Tempel zu Jerusalem. Gut, dann kann
man sagen: „Das war Seine menschliche Seite. Seine
göttliche Seite als Christos war unfehlbar.“ Aber sogar
am Kreuze kamen Ihn noch Zweifel an Seinem Auftrag
und an der Liebe Seines Vaters.

Nein, wir müssen weg von der Idee, dass ein Heiliger
hier auf Erde vollkommen war. Aber jeder Heiliger steht
für irgendeinen Aspekt, welches es verdient in unserem
Leben nachzufolgen. Es ist wichtig, dass wir versuchen
die Vollkommenheit in diesen Aspekten zu entdecken
und diese immer wieder hervorrufen, wenn wir an diese
oder diesen Heilige(n) denken.
Bedeutet das dann, dass wir sie verehren sollen? Jein!
Wir verehren die Heiligen, weil wir Sie Ehre darbringen.
Genauso, wie wir z. B. jemand hochleben lassen, der ein
Kind rettet. Wir verehren sie aber nicht, indem wir sie
gleichstellen mit Jehovah G’tt; mit ICH BIN! Wir glauben
auch nicht daran, dass wir ihre Fürsprache oder Vermittlung
benötigen um was van G’tt zu erbitten. Denn das
würde bedeuten, dass wir nur den Segen von G’tt bekommen
können durch Mauschelei.

Aber wir dürfen sehr wohl um ihren Beistand, ihren Segen,
ihre wohlwollenden Gedanken bitten. Ich als Priester
tue das am Ende jeder Eucharistiefeier, wo ich euch
wünsche, dass diese Heiligen Euch ihre mächtige Hilfe,
ihr Mitleid ihre Weisheit und ihr segenreiches Licht senden
mögen [1. Strahls-Segen].

Es liegt aber vor der Hand, dass wir nicht nur den Heiligen
gedenken, sondern auch diejenigen, die diesen Status
noch nicht verdient haben. Absichtlich sage ich:
„noch nicht!“, denn wir glauben nicht an einer Hölle
oder Fegefeuer als ewigwährenden Zustand des Leidens
und der Pein. Nein, wir glauben vielmehr, dass alle Seine
Kinder einst die Vollkommenheit und die Nähe Gottes
erreichen werden, „wie weit sie auch abgeirrt sein mögen“,
wie wir es bei jedem Gottesdienst in unserem Credo
bekennen.

Die christliche Kirche hat dazu den besonderen Allerseelentag
in ihre Liturgie aufgenommen. An diesem Tag –
wie eigentlich auch in den ganzen Novembermonat – ist
die Trennung zwischen Astral- oder Totenreich und unsere
Sphäre sehr dünn, wie es schon die alten Völker wie
die Germanen und Kelten wussten. Es fällt uns also sehr
leicht an diesem Tag Kontakt mit dem Astralreich und
den dort verbleibenden Seelen der Toten aufzunehmen.

Dies sollte aber keinen Tag der Trauer sein, auch wenn
viele das so empfinden mögen und dadurch in der heutigen
Konstellation (wo Allerheiligen und Allerseelen am
gleichen Tag begangen werden), die Freude von Allerheiligen
entweihen.

Nein, wir müssen und sollen uns darüber freuen, dass
unsere geliebte Toten ihren Materieleib abgelegt haben
– weshalb wir auch oft von «Entkörperung» sprechen –
und einen Schritt näher zur Vervollkommnung gegangen
sind. Es ist unsere Pflicht diese Freude zu denen aus zu
senden, damit sie sich nicht länger verpflichtet fühlen in
unsere Nähe zu bleiben und uns in unserer Trauer bei zu
stehen. Im Gegensatz: wir müssen den Verstorbenen
eher beistehen mit den richten Gedanken, damit sie verstehen,
weshalb sie dort verbleiben, wo sie jetzt sind
und ihn den Weg zeigen, welche sie nun zu gehen haben.
Eine sehr gute Handreichung dazu hat einer unseren ersten
Bischöfen, Most Reverend Charles Webster Leadbeater
dazu gegeben in seinem Buch „Denen die trauern“,
welches sie auch über unsere Internetseite oder
bei unseren Geistlichen bestellen können.

Die deutsche Sprache hat einen sehr schönen Ausdruck
für den Toten, welche noch im Astralreich leben. Das
Wort „Verblichenen“ beschreibt diese Zeitspanne besser
als „Verstorbenen“ oder „Verschiedenen“. Denn tatsächlich
können diejenigen, die zwar in ihrem Ätherleib sich
von uns „verschieden“ haben, sich also von uns verabschiedet
haben, wonach das was wir gemeinhin
„Tod“ nennen vom Materiekörper Besitz ergriffen hat
diesem Körper „versterben“ lassen, den nächsten Schritt
erst tun, wenn auch wir als Freunde oder Familie uns
endgültig von ihnen verabschieden. Das ist einfacher gesagt
als getan für die meisten von uns. Aber ich kann mit
Sicherheit sagen, dass dieser Abschied nicht für immer
sein wird. Wir wissen nicht genau, wie die Naturgesetze
dort funktionieren. Aber aus vielen Nahtoderfahrungen
ist bekannt, dass in dem Moment, wo man selber „hinüber“
geht, wie es oft unehrerbietig gesagt wird aber
genau diesen Zustand beschreibt; dass genau in diesem
Moment diejenigen, die uns immer sehr nah gestanden
haben uns dort aufwarten werden um ihrerseits uns den
Weg zu weisen.

Der Ausdruck „hinüber gehen“ beschreibt allerdings genau,
was gemeint wird: einen Wechsel zwischen dem
Zustand des irdischen, materiellen Lebens und dem astralen,
seelischen Leben. Nicht von ungefähr beschreiben
die alten Religionen dies als eine Überfahrt mit einer
Fähre, welch unumkehrbar ist. Es wird zu weit führen
diesen Zustand jetzt zu beschreiben.
Nur so viel sei hier noch hinzugefügt: solange wir den
Entkörperten zu viel betrauern fühlt das sich an als wären
sie zwar über den Fluss gegangen, aber an der Überseite
nicht weitergehen können, weil sie die Stimme ihrer
Freunde und Familie an der anderen Seite des Flusses
noch immer im Ohr haben. (Wobei mir einfällt, dass
ihr alle bestimmt schon mal den abschätzigen Ausdruck
„über den Jordan gehen“ gehört habt. Eigentlich sollte
das aber einen ermutigenden Klang haben, denn es beschreibt
genau, was passiert. Man überquert den Fluss
des Lebens, nicht des Todes! In der amerikanischen
Sprache ist das tatsächlich so und so wird dieser Überfahrt
über den Jordan sehnsüchtig in vielen Spirituals
besungen.)

Wenn sie sich aber dazu aufraffen können, von der Seele,
welche „hinüber gegangen“ ist zu verabschieden; sich
quasi vom Anlege Steiger zu entfernen, so wird auch der
Entkörperte Seele weitergehen können. Würde es uns
möglich sein diese Seele nach zu blicken, wie sie sich aus
unserem Blickfeld entfernt, so wird das aussehen, als
würde sie immer mehr an Form verlieren, immer dünner
werden bis sie gar nicht mehr sichtbar ist. Sie ist wahrhaft
für unsere Augen «verblichen».

Nicht umsonst sind die Gräber an diesem Tag schöner
geschmückt als an anderen Tage. An keinem anderen
Tag des Jahres sieht ein Friedhof so schön und friedvoll
aus, wie am Allerseelen. Warum wollen wir diese Schönheit
dann mit Trauermiene und Betrübnis verstören? Wo
die Toten auch sind in diesem Moment: sie werden unsere
Gedanken und Gefühle spüren.
Dann zeige doch bitte die Liebe, die wir für sie empfinden;
nicht das Mitleid, das wir mit uns selber haben! Erst
dann, wenn wir erkennen, dass beide Tagen – sowohl Allerheiligen
wie Allerseelen – freudvoll sind, erst dann
wird ihr mit mir einstimmen, dass sie zu den schönsten
Feste des Jahres gezählt werden.

AMEN.