Maria-Geburt

Predigt zu Maria Geburt am 13. September 2015 in Bonn

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Predigt zu Maria Geburt am 13. September 2015 in Bonn
Generalvikar Johannes van Driel

Im Namen des ↑ Vaters und des ↓ Sohnes und des ↖ Heiligen Geistes. ↗ Amen.

Liebe Brüder und Schwestern liebe Gemeinde, liebe Anwesenden,

Wie ihr aus den Lesungen entnommen habt, befinden wir uns noch in der Jahreszeit, welche vorwiegend Maria gewidmet ist. In der Östlichen Kirchen, also in der Orthodoxie, dauert diese Periode 30 Tage. Sie fängt an mit dem Hochfest der Entschlafung oder „Zur-Himmel-Aufnehmung am 15. August. Das ist der Tag, so könnte man sagen, wo wir gedenken, dass Maria ihr letztes Le-ben auf Erde beendet hat. Und es endet mit dem Tag, wo wir die Geburt Marias in ihrem letzten Erdenleben gedenken, oder besser mit dem Oktave-Tag.

Zusammen mit Jochanan oder Johannes dem Täufer und Jehoshua van Nazareth, die wir Jesus nennen, sind das die einzigen Personen, von denen wir in den christlichen Schriften eine Beschreibung finden vom Anfang, wo die Mutter schwanger wurde bis zur Niederkunft.
Es ist bei diesen dreien nicht nur wichtig DASS sie gebo-ren wurden, sondern auch, dass dieser Geburt vorhergesagt wurde von einem Engel und somit schon von Anbeginn klar ist, dass es sich hier nicht um Menschen wie dir und mir handelt, sondern um Wesen, die freiwillig sich dazu entschieden haben noch einmal zu inkarnieren, obwohl sie schon einen so hohen Status erreicht hatten, dass dies für ihre eigene Entwicklung nicht mehr notwendig war. Schon allein deshalb ist es würdig und recht Maria an diesem Tag Dank zu sagen, dass sie sich bereit erklärt hat den Versprechen unserer Gottvater/Mutter zu erfüllen. Ohne Maria wäre Jesus nicht geboren und würden wir uns nicht hier als Christen versammeln um seiner Lehre zu lauschen und Ihm nachzufolgen.

Nun wird man vielleicht fragen: „Wo steht dann, dass Maria am 8. September geboren wurde?“ Nun, da muss ich euch enttäuschen. Das steht nirgendwo. Im Grunde genommen feiern wir heute immer noch die Kirchweihe vom Bau der sgn. „Annakirche“ am See Bethesda in Jerusalem. Dieser Ort gilt als Wohnort von Anna und Joachim, den Eltern von Maria und somit ihr Geburtsort. Das Fest wurde schon im 5. Jahrhundert in der Ostkirche gefeiert. Erst 500 Jahre später fand es auch seinen Platz in der Westkirche. Das Datum hat also nur sehr indirekt mit Maria zu tun.
Nun müssen wir bedenken, dass viele christliche Festen nicht an dem Tag gefeiert werden, wo sie zum ersten Mal stattgefunden haben. Auch die Geburt Christi fand nicht am Heiligabend statt, sondern in Wahrheit Anfang Oktober. Aber nur für uns Menschen sind Kalender von Bedeutung. In der geistigen Welt gehen die Uhren anders, wie es auch in der Bibel steht. Dort sind tausend Jahre wie einen Tag und ein Tag wie 1000 Jahre.
Wer den Vorteil hat hellsichtig zu sein, wird auch entdecken, dass die höheren Mächte sich uns anpassen. Und so werden die marianischen Kräfte auch genau in der Zeit, wo wir uns sie zuwenden, vermehrt uns zum Teil werden.

Die Vorgeschichte beginnt demnach mit dem Elternpaar Joachim und Anna, die kinderlos blieben. Joachims Al-taropfer wies der Hohepriester zurück. Joachim verbarg sich bei seinen Herden, ein Engel verkündete ihm, dass er zu seiner Frau zurückkehren und ihr an der Goldenen Pforte begegnen solle. Auch Anna, die trauernd ein Vo-gelnest mit den die Jungen fütternden Alten betrachtete, erschien der ihr trotz ihres Alters Nachkommen verheißende Engel.
Und so wurde das Kind Maria geboren. Von Anna sorgfältig unterwiesen und dem Tempeldienst gewidmet, schritt die Dreijährige selbständig die Treppen empor, wo der Hohepriester sie mit den Tempelfrauen empfing – Diese Szene als Mariä Tempelgang bekannt. [21. No-vember]

Maria ist aber mehr als „nur“ die Mutter Jesu. Sie ist auch das Meer von jungfräulicher Materie, die symbolische „große Tiefe“, die Gewässer, worüber der Geist Gott sich bewegte, vor er Anfing mit Seinem Schöpfungswerk. Esoterisch und Gnostisch gesehen kann die Schöpfung nur entstehen aus Geist und etwas anderem, denn Geist alleine kann sich nicht manifesteren in der Materie.
Und auf einer weiteren Ebene steht Maria, so wie wir sie kennen und verehren am Anfang unseren Gottes-dienste auch für den weiblichen Aspekt der Gottheit. In der christlichen Kirche hat man immer Probleme damit gehabt Gott als das zu sehen, was es ist, nämlich das Beste aus beiden Geschlechtern. Gott, der alles beinhaltet, kann man nicht nur als männlich oder nur als weiblich sehen. Er oder sie muss viele Aspekte haben, denn er hat uns Menschen nach Seinem Ebenbilde erschaffen. Wie kann er dann die Frau erschaffen haben, wenn er nicht selber auch gleichzeitig Männlich UND weiblich ist?

In der Vollheit Gottes sind alle guten Eigenschaften des Menschen vorhanden. Leider neigt die christliche Kirche im allgemeine dazu diese vielseitige Offenbarung aus den Augen zu verlieren, auch wenn der gläubige Mensch dies spürt und es in seiner Devotion, in seiner Andacht, in seinen Gebete zur und Verehrung von Maria zum Ausdruck bringt. In anderen Religionen ist das Wissen vielfach noch vorhanden. Manche Aspekte, wie Stärke, Weisheit, Wissenschaft und auch Vernichtung sieht man dort eher als männlich und im Hinduismus werden diese Kräfte dargestellt von Shiva.
Dar entgegen sehen wir Liebe, Freundlichkeit, Zartheit, Harmonie eher als weibliche Faktoren und wir dichten diese auch Maria zu, und die Hindus sagen das diese Kraft Lakshmi innewohnt.
Und doch sehen wir alle diese Eigenschaften auch in der Gottheit, die sich selber nur „ICH BIN“ nennt, als er mit Mose spricht. Es ist dann auch selbstverständlich, dass wir – die wir in einer dualen Welt leben – diese beiden Aspekte (männlich und weiblich) betrachten und diese zwar beide in der Einen Gottheit verehren, aber – im Gegensatz zu der dogmatischen Lehre einiger Kirche – als Jesus und Maria sehen und beide, je auf den ihnen angemessene Art unsere Ehre darbieten.

In vielen anderen Religionen wurde die All-Einheit, das Ein Soph, dann auch als Vater-Mutter gesehen, die sich auf verschiedene Arten präsentierte und doch Eins und Unteilbar war. Man kannte also nicht nur Götter, sondern auch Göttinnen. Nur die christliche Kirche hat sich immer schwer damit getan und hat bis jetzt noch nicht erkannt, dass der Heiligen Geist das weibliche Aspekt Gottes ist, die Heilige Sophia, die sich bei uns symbolisch darstellen lässt in Maria. Viele Namen, die wir für Maria verwenden, zeigen noch deutlich die Verbindung mit anderen Religionen.
So nennen wir sie auch: „Königin des Himmels, wie Ash-taroth oder Astarte. Auch die Abbildung von Maria als junge Frau, die das Kinde Jesus trägt, ist genau die glei-che, wie Isis mit Horus aus Ägypten. Ja, in manche christliche Kirchen stehen auch noch Isisbilder, die für Maria gehalten werden und auch hier in West-Europa kennen wir die sgn. Schwarze Madonnen, die auch nur Bilder einer anderen Religion sind und nicht aus dem Christentum stammen.

Viele Menschen nennen andere Völker Polytheisten. Das beruht aber darauf, dass wir anders denken. Hindustani, Buddhisten, Jajanisten, Indianer, sie alle wissen ganz genau, dass es nur den EINEN Gott gibt. Sie wissen aber auch, dass er sich auf viele Arten offenbart und diese Offenbarungen hat man versucht mit verschiedenen Namen zu benennen. Wir, die wir in der christlichen Kirche groß geworden sind, haben nie gelehrt auf dieser Art zu denken. Würden wir das aber versuchen, dann würden wir entdecken, dass – wenn alles Gott ist und nichts außerhalb von Gott existieren kann, – wenn Gott sowohl Materie wie Geist ist, sowohl Leib und Seele wie monadischen Geist – dann muss Gott sowohl eine weibliche oder negative Seite wie eine männliche oder positive Seite haben. Dabei sollte man negativ und positiv sehen wie die beiden Polen einer Batterie, nicht wie einer Wertung. Und doch ist Gott EINS und wir glauben nicht an einen männlicher Gott und eine weibliche Gottheit. Wir, die wir mit der Idee der Dreieinheit aufgewachsen sind, sollten eigentlich kein Problem damit haben dürfen diese Wahrheit an zu nehmen.

So haben wir sowohl von symbolischer Sicht wie auch von der Wirklichkeit aus gesehen, einen guten Grund die Fest unserer Lieben Frau Maria zu feiern, uns daran zu freuen und dankbar zu sein, dass wir in dieser Betrachtungsweise durch Weisheit und Liebe näher zur Wahrheit gelangen dürfen. Dankbar vor allem Christos Jesu gegenüber, der versucht hat diese Lehre während seines Lebens auf Erden an seinen Jüngern weiter zu geben. Dank auch an Maria, die durch ihren Lebensweg mit Freude dieses irdische Dasein ablegen dürfte und nun im Himmel thront als die gekrönte Magd und diese Art von Verehrung möglich macht.
Und auch wenn wir nicht sicher sein können, wann Maria genau geboren wurde, dürfen wir am heutigen Tag trotzdem ihr Kommen in dieser Welt feiern und damit ihr Geburt als Kinde in dem Bund der Heiligen.

AMEN