Adventspredigt 2015 durch Generalvikar van Driel

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Im Namen des ­ Vaters und des ¯ Sohnes
und der® Heiligen Geiste ¬ Amen.

Mit Advent beginnt das große Warten auf Weihnachten.
Die kleinsten sind voller Ungeduld und fragen ständig:
„Wann kommt das Christkind?“; und die Erwachsenen
sind im Kaufrausch. Müssen unbedingt Geschenke kaufen,
die oft völlig den Wünschen des Beschenkten verfehlen.
Die Hausfrauen backen Kiloweise Plätzchen, die
im Anfang genau so schnell, verschwinden, wie sie produziert
werden. Und in den Geschäfte hat der Verkauf
von Weihnachtsartikel schon Ende August angefangen.
Wenn man mal eine halbe Stunde daneben stehen bleibt
und zuschaut, wie viel Gebäck, Stollen und Süßigkeiten
eingeschlagen werden, dann bekommt man schon
Angst, dass in den Adventswochen selber, alles schon
ausverkauft sein wird und wenn man nicht aufpasst ist
man ruckzuck Teil dieser großen Hamsterwelle. Damit ist
von der ursprünglichen Bedeutung von Advent: «Eine
Zeit der Einkehr, Buße und Besinnung, welche durch Fasten
unterstützt wurde» – wenig mehr übrig geblieben.

Aber was ist Advent eigentlich und wann fängt der an?
Wenn man den Leute fragt werden die meisten Antworten:
„Am ersten Adventssonntag“.
Warum sie so antworten? Nun, das Symbol des Adventskranzes
ist so universell geworden, dass man sich schon
gar keine Gedanken mehr darüber macht und meint,
dass dieser Kranz mit seinen Kerzen tatsächlich so eine
Art Adventsuhr oder Abzählreim ist.

Der Adventskranz als Symbol ist aber noch gar nicht so
alt. Es war ein evangelischer Pfarrer, der die Idee dazu
hatte und zwar im Jahre 1833!
Er betreute verwahrloste Jugendlichen in einem Heim,
das «Rauhen Haus» im Hamburg. Und genau so wie Frau
Lang aus München Anfang des 20. Jahrhunderts die Idee
hatten einen Adventskalender für ihre Kinder zu basteln,
so bekam Pfarrer Johann Hinrich Wichern (1808-1881)
die Eingebung einen Kranz mit Kerzen zu machen. Das
war noch keinen Kranz, so wie wir die kennen, sondern
eher einen Kronleuchter.
Jeden Abend wurde eine weitere Kerze angezündet und
der Pfarrer las aus der Heiligen Schrift und deutete das
Wort Gottes in Hinblick auf der Heilsbotschaft. Es war
eine großartige Vorbereitung auf weihnachten und die
Jugendlichen waren begeistert.
Pfarrer Wichern war also der Erste, der diese Form der
Vorbereitung nützte. Dabei wusste er als Theologe
selbstverständlich sehr wohl, wie lange die Adventszeit
dauert, nämlich IMMER 4 Wochen oder 28 tage! Das ist
aber etwas ganz anderes als 4 Sonntag, denn da wech
selt die Dauer ständig und fängt frühestens an den 27
November an (also 4 Wochen vor Weihnachten). Aber es
kann auch sein, dass der erste Adventssonntag erst auf
den 3. Dezember fällt; und das sind gerade mal drei Wochen
und einen Tag!

Ursprünglich dauerte die Adventszeit sogar 40 Tage,
woraus viele Bischöfe dann einfach halber gleich 6 Wochen
(= 42 Tage) machten. Die orthodoxen Kirchen behalten
diese Zählung bis heute bei und auch hier im
Westen gibt es verschiedene kleinere Kirchen, die wieder
zu der ursprüngliche Zählung der Adventszeit rückgekehrt
sind.

Wo bei uns der Advent also immer am 27. November anfängt,
fing sie in der frühen Kirche am 15. November an
und so ist es bis heute noch in der orthodoxen Kirche.
Überraschenderweise ist dies auch die Zeit wo die meisten
Menschen gefühlsmäßig der Anfang der Weihnachtszeit
setzen. Denn für viele fängt diese Zeit am
Martinstag (11. November) an. Wenn wir davon ausgehen,
dass hier genau wie vor der Passionszeit drei Tage
noch einmal richtig gefeiert und geschlemmt wurde –
schließlich fängt die fünfte Jahreszeit an Martinstag an –
dann würde das sogar stimmen. Hier manchen die meiste
Menschen die ich kenne tatsächlich einen Unterschied
zwischen „Adventszeit“ und „Weihnachtszeit“.
Die Adventszeit ist also mehr oder weniger die «Finale»
der Weihnachtszeit.

Persönlich würde ich die alte Regel auch eher bevorzugen.
Um keine Verwirrung aufkommen zu lassen teile ich
aber diese Periode ein in „Voradvent“, welche am 14.
November abends anfängt, und „Adventszeit“, welche
dann am Abend des 26. November anfängt. Aber das
darf jeder so halten, wie er oder sie es möchte.

Jedenfalls hatte Pfarrer Wickert 28 Kerze auf seinen ersten
Adventskranz stehen. Gute Ideen sprechen sich
schnell herum. Bald gab es in vielen Waisenhäuser und
Heimen einen solchen Kranz. Die Familien folgten und
ganz zum Schluss übernahmen auch die Kirchen den
neuen Brauch.

War der erste Kranz noch ein Art Kronleuchter mit weißen
Kerzen, so hatte sie sich inzwischen weiterentwickelt
und wurde nun aus immergrünen Zweigen geflochten.
Der Kranz ist Symbol für Gottes Ewigkeit, die keine
Anfang noch ende kennt. Das Immergrün steht für das
ewige Leben, das wir aus seiner Hand erwarten mögen.
Und die Kerzen, die nun nicht mehr weiß sondern rot
sind, stehen für die verrinnende Zeit und das erwartete
Kommen der Messias. Die Farbe Rot symbolisiert das erlösende
Blut Christi.

Advent hat eigentlich nur ein Ziel: WEIHNACHTEN. Wenn
wir die Kerzen am Adventskranz zünden, dann sollten
wir still werden und denken an Gottes Ewigkeit; an seinem
Versprechen vom ewigen Leben; an der versprochene
Wiederkunft Christi (auch wenn wir nicht wissen,
wie wir das verstehen sollen); und selbstverständlich an
das Opfer in der Heiligen Eucharistie. An das Versprechen
Jesu, dass er uns dadurch immer wieder gibt.

Der Christ geht nicht nur auf das Fest der Menschwerdung
des Gottessohnes zu. Der Christ geht mit jedem
Tag, mit jeder Woche seinem Herrn entgegen. Es wäre
falsch, wenn er sich ausruhen würde und nur darauf
warten würde, dass der Herr zu ihm kommt. Viel mehr
ist es seine Aufgabe Ihm entgegen zu gehen, wie die
jungen Frauen im Gleichnis, die den Bräutigam entgegen
gingen mit ihren Öllampen (Mt. 25).

Weihnachten ist das erste große Fest im Kirchlichen Jahr
und wie alle große Feste geht da eine Zeit der Vorbereitung
vorab. Diese Vorbereitung ist zweifaltig: zuerst ist
es tatsächlich eine Vorbereitung auf das Weihnachtsfest.
Und diese Vorbereitung findet sowohl in unsere Seele
wie auch außerhalb in der Materie statt. Deshalb wird
auch das Haus geputzt und geschmückt; werden Kuchen
und Plätzchen gebacken, wird ein Festmenü ausgesucht
und an diesem Tag zubereitet, ist auch die Liturgie in der
Weihnachtszeit feierlicher wie sonst.

Es ist aber nicht allein der Geburtstag von Jesum aus Nazareth,
welcher wir immer wieder gedenken und feiern
(auch wenn das Datum historisch gesehen nicht stimmt).
Nein, Weihnachten ist auch eine Zeit, wo eine besondere
Ausgießung der geistigen Kräfte stattfindet. Wie alle
großen Festen (Ostern, Pfingsten, Michaeli), die wir so
gerne feiern, ist auch Weihnachten die Gelegenheit eine
besondere Gnade zu empfangen. Und wir sollten uns
gebührend darauf vorbereiten damit wir im Stande sind,
diese Gnade in ihrer Vollständigkeit zu empfangen. Wir
profitieren mehr davon, als wir und auf der richtigen Art
und Weise darauf vorbereiten. Daher tun wir gut daran
während der Adventszeit täglich an der Geburt Christi zu
denken und an der ersten große Einweihe, die dadurch
symbolisiert wird.

In der frühen Christlichen Kirche war es Brauch, dass
man sich in dieser Zeit Fleisch und Alkohol entsagte.
Aber anders als während der Passionszeit, wo man mit
Christi leiden wollte, war das Ziel in dieser Zeit, dass man
sein Körper rein machte um so besser vorbereitet zu
sein.

Auch wurde von den meisten Gläubigen die Gelegenheit
angenommen, die die Kirche in dem wunderbaren Sakrament
der Absolution bietet. Die Beichte ist nur eine
Vorbereitung dazu; eine Reinigung der Seele. Die Beichte
selber ist aber kein Sakrament, sonder die darauffolgende
Absolution, oder – oder wie es in unserer Kirche oft
genannt wird – das Sakrament der Versöhnung. Eine
Versöhnung mit Gott, aber vor allem auch eine Versöhnung
mit sich selber. Wie der Bibel uns auch sagt: „Du
sollst lieben den Herrn, deinen Gott“ (Deut. 6:5 & Mt.
22:37) und „Du sollst dich selbst lieben wie deinen
Nächsten“ (Lev. 19:18 & Mt. 22:39).

Die Mystici der innere Schule des Christentums haben
sich aber immer vorbereitet, in dem sie sich der Betrachtung
der vier Voraussetzungen für die erste große Einweihung
widmeten in Meditation und Kontemplation Es
sind diese vier:

    Unterscheidungsvermögen
    Selbstvergessenheit und Wunschlosigkeit
    Rechtes Handeln
    Liebe für alle Geschöpfe dieser Welt

Bei der Entzündung der Kerzen sind es diese Begriffe, die
genannt werden. Der Akolyth oder Priester versucht
damit diese zu energetisieren. An Euch als Anwesenden
und Mitglieder der Gemeinde die Aufgabe diese Energetische
Felder aufzunehmen und in euch weiterwachsen
zu lassen.

Ich möchte nun noch kurt was sagen zu der liturgische
Farbe dieser Periode. Leider hat sich ein großes Missverständnis
eingeschlichen bei den meisten Gläubigen, dass
diese Farbe steht für Trauer, Busse und Reue. In Wirklichkeit
aber ist violett eine Farbe, die actinisch wirkt,
d.h. sie „annulliert“ eher diese negativen Gefühlen und
Gedanken. Sie durchdringt alle Körper und reinigt diese,
damit sie imstande sind die Heiligkeit Gottes richtig zu
empfangen und zu verarbeiten.
Die sgn. „Amtskirchen“ haben auch immer darauf hingewiesen,
dass der Advent sowohl das Gedenken des
ersten Kommens Christi wie auch die Erwartung seines
zweiten Kommens symbolisiert. Deshalb auch, dass man
diese Zeit oft mit Busse tun gleichsetzt und Gefühle von
Angst hat. Die Bibel verbindet das zweite Kommen mit
dem Ende dieser Welt (wobei Welt und Erde verschiedene
Begriffe sind)! Dieses Ende wird von vielen mit
Angst und Furcht entgegen blicken.

Die wahren Mystici wissen aber, dass Gott reine Liebe
ist. Sie werden Ihn nie fürchten, in welcher Form Er/Sie
auch gegenwärtig sei; ob sie Ihn nun mit den Augen sehen
oder nicht. Denn für den Mysticus, die Mystica, ist
Gott immer gegenwärtig. Amen.
ADVENIAT REGUM TUUM; AMEN